Programm

Sa. 16.06.18, 20 Uhr: The Look of Silence (im VHS-Haus)

Regie: Joshua Oppenheimer (II) (Dän 2015) Dokumentation (103 Min)

Über eine Million Menschenleben haben die grausamen Massaker gefordert, zu denen es zwischen 1965 und 1966 in Indonesien kam. Noch heute werden dort die rücksichtslosen Handlanger, die zahlreiche Leben ausradierten, wie Helden gefeiert. Sie haben im Namen der Regierung als Paramilitärs Jagd auf vermeintliche Kommunisten gemacht. Die Blutspur führt Regisseur Joshua Oppenheimer zu einem Ehepaar, dessen ältester Sohn den Paramilitärs zum Opfer gefallen ist und von dessen Tod sich die Eltern nie erholt haben. Der Bruder des Ermordeten, Adi, sucht die Menschen auf, die den Mord verschuldet haben. Dabei trifft er auf Menschen, die für ihre Taten nie zur Rechenschaft gezogen wurden und sich sogar mit diesen brüsten. Sie wohnen nicht weit weg von Adi, gehen in denselben Läden einkaufen. Durch seinen Beruf als Optiker kommt der Hinterbliebene mit den Mördern ins Gespräch und erfährt bis ins Detail, was seinem Bruder damals zugestoßen ist…

Fazit: „The Act of Killing“ ist für uns einer der besten 100 Filme aller Zeiten – und die Fortsetzung „The Look of Silence“ steht dem Vorgänger in nichts nach.“ filmstarts.de 


Do. 21.06.18, 20 Uhr: Lucky (im Club Bambule)

Regie: John Carroll Lynch (USA 2018) mit Harry Dean Stanton, David Lynch, Ron Livingston mehr (88 Min)

Ein Kaff in der Wüste, irgendwo im Südwesten der USA: Der alte Lucky (Harry Dean Stanton) lebt allein in einem kleinen Haus und geht jeden Tag einer bestimmten Routine nach. Der nach wie vor sehr agile Senior startet mit Yoga-Übungen in den Tag, bevor das Frühstück im Diner ansteht. Danach werden Kippen gekauft, anschließend Quizsendungen im Fernsehen geguckt und abends wird in der Stammbar eine Bloody Mary mit sonderbaren Typen wie Howard (David Lynch) getrunken, dessen hundertjährige Schildkröte Roosevelt heißt und leider abgehauen ist. Es macht Lucky nichts aus, keine intime Bezugsperson zu haben: Er ist alleine, aber nicht einsam. Nachdem er einen Schwächeanfall hatte, fängt er jedoch an, über das nahende Lebensende nachzudenken. Der alte Mann beginnt sich zu fragen, was er dem Tod entgegensetzen kann…

Rein äußerlich betrachtet passiert hier kaum etwas, man sieht Lucky am Anfang und Ende exakt die gleichen Dinge tun, dem exakt gleichen Tagesablauf folgen. Doch dazwischen erlebt er – durch einen kleinen Schwächeanfall, der von seinem auch nicht mehr jungen Arzt nur mit den Worten diagnostiziert wird: „Du wirst alt!“ – so etwas wie eine Epiphanie. Durch den Moment der Schwäche aus seinem Alltagstrott gerissen, mit der unaufhaltsamen Frage nach der eigenen Sterblichkeit konfrontiert, hinterfragt Lucky sein Leben, seine Existenz, sein Alleinsein, das möglicherweise freiwillig ist, vielleicht aber auch nicht. Doch was kann man dem Tod entgegensetzen? Ein Lächeln ist die Antwort und so verabschiedet sich Lucky, verabschiedet sich Harry Dean Stanton mit einem Lächeln aus dem Film und in seinem letzten großen Leinwandauftritt aus dem Leben. 
Fazit: Mit „Lucky“ hat John Carroll Lynch nicht nur einen bemerkenswerten Debütfilm vorgelegt, sondern dem inzwischen verstorbenen Harry Dean Stanton auch einen wunderbaren Abschied nach einer langen, abwechslungsreichen Karriere geschenkt.“ filmstarts.de


Do. 28.06.18, 20 Uhr: Three Billboards Outside Ebbing Missouri (im Club Bambule)

Regie: Martin McDonagh (USA/GB 2017) mit Frances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell, Peter Dinklage (116 Min)

Die Tochter von Mildred Hayes  wurde vor Monaten ganz in der Nähe ihres Zuhauses vergewaltigt und ermordet, aber noch immer tut sich in dem Fall nichts. Von einem Hauptverdächtigen fehlt jedenfalls noch jede Spur und so langsam glaubt Mildred, dass die örtliche Polizei einfach ihre Arbeit nicht richtig macht. Und ganz anders als ihr Sohn Robbie , der einfach nur sein Leben weiterleben möchte, kann sie das nicht akzeptieren. Darum lässt sie eines Tages an der Straße, die in ihren Heimatort Ebbing, Missouri führt, drei Werbetafeln mit provokanten Sprüchen aufstellen, die sich an Polizeichef William Willoughby  richten. Klar, dass die Situation nicht lange friedlich bleibt. Als sich dann noch Officer Dixon einmischt, ein unreifes und gewalttätiges Muttersöhnchen, eskaliert die Lage…

„“Three Billboards“ liest man am besten als einen Metafilm. Als einen cleveren Essay über die Tendenz unserer Zeit, schnelle Urteile zu fällen, harte Lager zu bilden und sich gleich vollkommen sicher zu sein, wie absolut verkommen die Gegenseite ist. Solche Sicherheiten will McDonagh brillant erschüttern, dafür nimmt er sogar eine gewisse Herzlosigkeit in Kauf. Es geht ihm nicht wirklich um Mordopfer und die Gefühle ihrer Eltern, es geht ihm nicht wirklich um Polizeigewalt und Rassismus, und es geht ihm erst recht nicht um reale Kleinstädte im Süden der USA.

Worum es ihm geht, ist die Wut seiner Zuschauer, ihre Gefühle, die er immer wieder verwirrt, erschütternden Umkehrungen unterwirft und mit riesigen Fragezeichen entlässt. Dass deshalb nun eine Debatte läuft, die ihn aus allen Oscar-Empfehlungen möglichst ausschließen will, beweist nur die Klarsicht seines Films – und die Richtigkeit seiner Analyse.“ Süddeutsche.de


Fr. 29.06.18, 19 – 22 Uhr: Stand by Me

(im Foyer der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Christophsbad, Haus 25)

Regie: Rob Reiner (USA 1986) mit River Phoenix, Richard Dreyfuss, Corey Feldman (85 Min) nach einer Geschichte von Stephen King

Gordie, Chris, Teddy und Vern  sind vier Freunde. Eines Tages beschließen sie, ihren vermissten Mitschüler Ray Brower zu suchen. Der etwas trottelige und dickliche Vern hat zufällig ein Gespräch zwischen seinem Bruder und einem befreundeten Mitglied einer ansässigen Gang aufgeschnappt, in dem sich die beiden über den Aufenthaltsort des Jungen unterhielten, der beim Beerenpflücken von einem Zug tödlich erfasst wurde. Mit nur einigen wenigen Cent ausgestattet, machen sich der um Anerkennung ringende Gordie, der exzentrische Teddy, der aus einer kriminellen Familie stammende Chris und der ängstliche Vern auf, um die Leiche zu finden. Während ihres beschwerlichen Weges, der zwei Tage immer entlang den Bahngleisen führt, stolpern die Jungs von einem Abenteuer ins nächste. Ihre Freundschaft wird zunehmend auf die Probe gestellt….

„Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommer“ hat sich als eines der besten Jugend-Dramen völlig zu Recht einen Platz in der Filmgeschichte gesichert. Selten agierten jugendliche Darsteller so bewegend und glaubhaft, dass man nach einiger Zeit meinen könnte, sie schon ewig zu kennen. Ein Film, der dem Zahn der Zeit standhält und auch heute noch für eineinhalb Stunden das erfrischende Gefühl einer unbeschwerten Kindheit vermittelt.“ filmstarts.de

Gleich zwei Vorträge führen am Abend in die StephenKing-Welt ein.

Die Bedeutung als Autor der Psychologie von Kindern und Jugendlichen stellt Dr. med. Markus Löble, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJPP) vor. Die Tiefenpsychologie von Kings Werk, mit besonderem Fokus auf dessen Verfilmungen, thematisiert der Vortrag von Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Niklas Gebele (Karlsruhe) . Im Anschluss ab etwa 20 Uhr sind die BesucherInnen herzlich eingeladen, den Film zu genießen und sich auf eine lange Filmnacht mit Diskussionen einzustellen. Das Publikum ist dazu eingeladen Proviant selbst mitzubringen. Alkoholfreie Getränke sind frei und warmes Popcorn steht zum Verkauf bereit.


Do. 05.07.18, 20 Uhr: Searching for Sugarman (im Club Bambule)

Regie: Malik Bendjelloul, (GB 2012) Doku (85 Min) OmU

Sixto Rodriguez … Noch nie gehört? Dabei war der mexikanisch-stämmige Singer-Songwriter einst gefeiert wie Bob Dylan und Elvis Presley zusammen – allerdings ausschließlich in Südafrika. Hier wurde in den 70ern sein Album „Cold Fact“ zum Soundtrack der Antiapartheidbewegung. In Rodriguez‘ Heimat hingegen, den USA, wusste niemand von seinem Ruhm, auch nicht er selbst. Zwei südafrikanische Fans begeben sich eines Tages auf die Suche nach ihrem Idol, um das sich viele Gerüchte ranken, vor allem um dessen vermeintlichen Selbstmord. Was sie am Ende entdecken, ist weit mehr, als sie sich erhofft hatten. SEARCHING FOR SUGAR MAN wurde u. a. auf dem Sundance Film Festival mit zwei Auszeichnungen bedacht (Bester Ausländischer Dokumentarfilm, Jury & Publikum).

In der berührenden Dokumentation mit einer wunderschönen, neu entdeckten Musik geht es um Sixto Rodriguez, einen Singersongwriter der 70er Jahre, der in Südafrika ein Star der Antiapartheitsbewegung war, ohne davon zu wissen. Er lebte ohne großen Erfolg in Amerika , verarmt, während er in Südafrika verehrt wurde. Der Film zeigt die unglaubliche Geschichtte eines Musikers, und dessen wunderbare Musik, bei der man nicht glauben kann, dass sie keinen Erfolg hatte. Selten haben mich eine Lebensgeschichte und Songtexte so berührt. Eva Cires


Do 13.07.18, 20 Uhr: Dead Man (im Club Bambule)

Regie: Jim Jarmusch (USA 1996) mit Gary Farmer, Johnny Depp, Iggy Pop, Robert Mitchum (134 Min) OmU

Im Jahr 1876 reist der junge William Blake mit dem Zug von Cleveland in den amerikanischen Westen. Bei einem Feuergefecht wird er schwer verletzt, auf sich allein gestellt, bricht Blake zusammen und entrinnt nur knapp dem Tod, als ihn der etwas merkwürdige, ausgestoßene Indianer Nobody findet. Der versucht Blakes Wunden zu versorgen, kann aber die Kugel, die in seiner Brust steckt, nicht entfernen. Da er ihn für eine Reinkarnation des verstorbenen, gleichnamigen Malers und Dichters hält, dessen Werke er in England kennen gelernt hat und verehrt, reist er fortan zusammen mit Blake. Dabei führt sie ihr Weg abwechselnd durch komische und gewaltsame Situationen, während die Zahl ihrer Verfolger stetig ansteigt…

Dead Man ist nicht nur der beste Anti-Western der je gedreht wurde, er ist für mich einer der besten Filme, die ich je gesehen habe. Gary Farmer als der Indianer Nobody ist die einzige Figur, die das Leben einigermaßen versteht, ja sogar die Verrücktheiten der Weissen. Sein „Schüler“ William Blake (Johnny Depp) lernt am Ende seines Lebens zwar noch einiges von ihm, aber sterben muß er trotzdem. Der Film hat eine tolle Geschichte, großartige Schauspieler, wunderbare Bilder (was für ein verkommener Wilder Westen!) und eine einmalige Filmmusik von Neil Young (ausschließlich Solo-E-Gitarre). Philosophischer Tiefgang, Humor & Poesie sind (wie immer bei Jarmusch) wunderbar verwoben. Man kann von diesem Film gar nicht genug schwärmen…! Thomas Roos


Do. 20.07.18, 20 Uhr: Das große Rennen von Belleville (im Club Bambule)

Regie: Sylvain Chomet (F 2004) Animationsfilm (80 Min)

Champion wächst bei seiner Oma, Madame Souza, auf. Schon in sehr frühen Jahren schlägt sein kleines Herz für jegliche Form von Radsport. Als sie erkennt, dass in Champion ein Radlertalent schlummert, fördert sie ihn und nimmt für ihn die Rolle eines Mentors ein. Er wird ein Profi und nimmt an der Tour de France teil, wo er auf mysteriöse Weise gekidnappt wird. Madame Souza und Champions Hund, Bruno, vertrauen den Methoden der Behörden nicht und beschließen, sich selbst auf die Suche nach dem verlorengegangenen Sohn zu machen. Ihre Suche führt sie in den Ort Belleville, in dem sie auf drei ältere Damen treffen, die früher die anerkannte Jazz-Sängerinnen-Gruppe „The Triplets of Belleville“ bildeten. Die ‚Triplets‘ erkennen die verzweifelte Lage von Madame Souza und helfen der besorgten Dame und Bruno dabei, den vermissten Rad-Profi ausfindig zu machen.

„Das große Rennen von Belleville“ ist das, was „Findet Nemo“ nicht ist: originell. Wie hier einfach eine neue Trickästhetik erfunden wird – und das im zweiten Film des 1963 geborenen Chomet, dessen spätes Erstlingswerk „La vieille dame et les pigeons“ von 1998 nur ein (wenn auch gleichfalls oscarnominierter) Kurzfilm war -, deren skurrile Figuren und drastischer Humor die Grenzen des an Lieblich- und Nettigkeit so übersatten Genres neu ausloten, das hat eine Frische, die man aus Europa kaum erhoffen durfte. Schon die Geschichte, von Chomet selbst geschrieben, ist so bar jeglicher Plausibilität, daß sie geradezu ideale Voraussetzungen für das (im geglückten Fall) phantasiesprühende Medium Trickfilm bereithält.“ FAZ


Do. 27.07.18, 20 Uhr: Tristia

Regie: Stanislaw Mucha (D 2015) Doku (98 Min)

Welche Länder liegen am Schwarzen Meer? Der Blick in einen alten Westermann-Schulatlas von 1969 hilft hier nicht weiter. Selbst die aktuelle Version von Google Maps ist nicht erhellend. Denn eines der sieben Länder, die Stanislaw Mucha auf seiner 7 000 Kilometer langen Filmreise entlang der Schwarzmeerküste passiert, ist international nicht anerkannt und daher auf offiziellen Landkarten nicht verzeichnet. Doch in dieser modernen Odyssee geht es weniger um Geografie oder Politik im engen Sinn. Muchas Reise ist eine filmische Enzyklopädie des Unscheinbaren. An Ovids titelgebendem Klagelied »Tristia« arbeitet der Film sich nur indirekt ab. Anstelle von Kulturwissenschaftlern und Historikern kommen Menschen am Wegrand zu Wort, denen der Überlebenskampf ins Gesicht geschrieben ist. Sie posieren flüchtige Momente lang vor der Kamera und werden in vermeintlich banale Small Talks verwickelt, die nie länger als zweieinhalb Minuten dauern.

Auf dieser nachdenklich stimmenden Rundreise gelingen ungewöhnlich faszinierende Bilder – für die das Wort »schön« allerdings nicht immer ganz treffend ist.“ epd-filmdienst