Programm

Sa. 23.02.19, 20Uhr: Camino a la paz (im Club Bambule)

Regie: Francisco Varone (Argentinien 2018) mit Rodrigo de la Serna, Ernesto Suárez (II)Elisa Carricajo (86 Min) span. OmU

Sebastián hat zwei Leidenschaften: Seine Lieblings-Rockband Vox Dei und seinen in die Jahre gekommenen, von seinem Vater geerbten Peugeot 505. Frisch verheiratet und pleite lässt er sich auf einen Job als Privat-Chauffeur ein. Einer seiner Fahrgäste ist der ältere Moslem Jalil, der ihm ein ungewöhnliches Angebot macht: Sebastián soll Jalil zu seinem Bruder ins 3.000 Kilometer entfernte La Paz fahren – ein Job, den Sebastián wegen der guten Bezahlung nicht ablehnen kann, der ihn allerdings schon bald zur Verzweiflung treibt: Der alte Mann kaut unentwegt Knoblauch, möchte nur arabische Musik hören, und anstatt schnell voranzukommen müssen sie fünf Mal täglich zum Beten anhalten. Jalil hat die Reise bis ins Detail geplant, aber es kommt alles ganz anders…

Ein Roadmovie quer durch Südamerika mit zwei großartigen Hauptdarstellern.


Do. 28.02.19, 20 Uhr: THF (im Club Bambule)

Regie: Karim Ainouz (D 2018) Doku (97 Min)

ZENTRALFLUGHAFEN – THF ist kein Film über Flüchtlinge, sondern über Gegensätze. Die in den sieben Hangars lebenden Geflüchteten träumen von einem Neuanfang, einem besseren Leben und einem Alltag in Deutschland, während draußen auf dem Feld mindestens so viele Bewohner der Stadt Berlin tagtäglich versuchen, ihrem Alltag zu entkommen, indem sie sich auf den ehemaligen Start- und Landebahnen auf einen Marathon vorbereiten, die ausgefallensten Fortbewegungsmittel ausprobieren und sich zum Spielen und Grillen mit ihren Freunden verabreden. Einige von ihnen träumen sich davon, andere träumen von einer neuen und besseren Stadt.
ZENTRALFLUGHAFEN – THF dokumentiert diese unterschiedlichen Welten, Lebensrealitäten und Träume. Im Zentrum des Films steht Ibrahim aus Syrien zwischen Deutschunterricht, medizinischen Untersuchungen und „Gesprächen“ mit der deutschen Bürokratie. Regisseur Karim Aïnouz beobachtete über ein Jahr, wie er und seine Freunde eine erneute Reise unternehmen: Zwischen Hoffnung, Heimweh und Angst vor Abschiebung – und einer merkwürdigen Gewöhnung an das temporäre Zuhause.

»Ein einzigartiger, beobachtender Dokumentarfilm, der die Schönheit räumlicher Formen zelebriert, ohne die Menschen zu vergessen, die darin leben. Karim Aïnouz verbindet in perfekter Balance zwischen Menschen und Orten sein herausragendes Gespür für architektonische Form mit seinem tief empathischen Blick auf Flüchtlingsschicksale in Berlin. Seine Protagonisten setzen den leblosen Statistiken der Flüchtlingsdebatten eine erfrischende Menschlichkeit entgegen.« VARIETY


Do. 07.03.19, 20 Uhr: Menashe (im Club Bambule)
Regie: Joshua Z Weinstein (USA 2017 ) mit Menashe Lustig, Ruben Niborski (83 Min)Der komplett auf jiddisch gedrehte Film erzählt die Geschichte des Witwers Menashe, der entgegen aller religiösen Traditionen darum kämpft, seinen Sohn Rieven allein erziehen zu können. Die Voraussetzungen dafür stehen schlecht: Menashe lebt in der ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde in Borough Parkin Brooklyn, New York. Die dortigen Erwartungen an die Bewohner folgen einem rigiden Verhaltenskodex, alleinerziehende Väter sind nach strenger Auslegung der Thora nicht vorgesehen.
Der tollpatschige Supermarktverkäufer Menashe passt auch sonst nicht recht in das konforme Bild der Gemeinde. Er ist ein klassischer Schlimasel, vergesslich und chaotisch, der den chassidischen Hut nicht trägt und seine Schläfenlocken hinter den Ohren versteckt.
Mit seinem kleinen Gehalt kommt er dazu kaum über die Runden, und so bestimmt der Rabbi, dass der Sohn Rieven besser bei der Familie des Onkels aufwächst – solange bis Menashe wieder heiratet und sein Leben in geordnete Bahnen führt.
Für Menashe beginnt ein innerer und äußerer Kampf mit den Traditionen, an dessen Ende er sich entscheiden muss, ob er frei sein will oder sich den Erwartungen beugt.


Sa. 16.03.19, 20 Uhr: Unser Saatgut (in der VHS)
Regie: Taggart Siegel, Jon Betz (USA 2016) Dokumentation (94 Min)Wenige Dinge auf unserer Erde sind so kostbar und lebensnotwendig wie Saatgut. Verehrt und geschätzt seit Beginn der Menschheit, sind die Samen unserer Kulturpflanzen die Quelle fast allen Lebens. Sie ernähren und heilen uns und liefern Rohstoffe für unseren Alltag. Doch diese wertvollste aller Ressourcen ist bedroht: Mehr als 90 Prozent aller Saatgutsorten sind bereits verschwunden. Biotech-Konzerne wie Syngenta und Bayer/Monsanto kontrollieren mit gentechnisch veränderten Pflanzen längst den globalen Saatgutmarkt. Daher kämpfen immer mehr passionierte Bauern, Wissenschaftler, Anwälte und indigene Saatgutbesitzer wie David gegen Goliath um die Zukunft der Sortenvielfalt.
Mit ihrem Dokumentarfilm „Unser Saatgut“ folgen Taggart Siegel und Jon Betz diesen leidenschaftlichen Saatgutwächtern, die unser 12.000 Jahre altes Nahrungsmittelerbe schützen wollen. Ohne es zu wissen, werden sie zu wahren Helden für die gesamte Menschheit, denn sie verbinden uns wieder mit dem ursprünglichen Reichtum unserer Kultur, die ohne die Saatgutvielfalt nicht bestehen kann
„Unser Saatgut“ ist ein Appell an uns alle: Schützt die ursprüngliche Saatgutvielfalt, sonst ist das reiche Angebot unserer Nahrung bald nur noch schöne Erinnerung! Einfallsreich und mit kreativen Bildern macht der Film seine Zuschauer zu mündigen Essern, die sich nicht mit der immergleichen Supermarktware abspeisen lassen. Ein lebensverändernder Dokumentarfilm von Taggart Siegel und Jon Betz, so farbenfroh wie die natürliche Vielfalt unserer Saaten. Mit den weltweit bekannten Umweltaktivisten Vandana Shiva, Jane Goodall und Percy Schmeiser. Ausgezeichnet mit 18 Festival-Awards und nominiert für den EMMY 2018 als „Outstanding Nature Documentary“.


Do. 21.03.19, 20 Uhr: Kindeswohl (im Club Bambule)
Regie: Richard Eyre (GB 2018) mit Emma Thompson, Stanley Tucci, Fionn Whitehead (106 Min)Fiona Maye nimmt als Richterin in London ihre Aufgabe sehr ernst. Mit vollem Einsatz lebt sie für ihren Beruf, was einen Preis hat. Ihr Privatleben ist ein Scherbenhaufen, denn ihre Ehe mit dem amerikanischen Geschichtsprofessor Jack steht vor dem Aus. Mitten in dieser persönlichen Krise hat die Familienrichterin einen neuen Fall zu verhandeln: Der 17-jährige Adam, ein brillanter Junge, hat Leukämie, weigert sich aber, eine Bluttransfusion anzunehmen, die sein Leben retten würde, weil er und seine Eltern Zeugen Jehovas sind. Das Krankenhaus hat bereits Klage eingereicht und Fiona soll entscheiden, ob Adam, der in drei Monaten volljährig wird, gezwungen werden soll, die Bluttransfusion anzunehmen. Doch soll Fiona ihn wirklich zwingen, zu leben? Die Richterin beschließt, sich selbst ein Bild vom Patienten zu machen und ihn im Krankenhaus zu besuchen…
„Was tun, wenn sich auf einmal Begehren in ein wohl geordnetes Leben einschleicht? Emma Thompson brilliert als Richterin Fiona May in der gleichnamigen Verfilmung von Ian McEwans Roman „Kindeswohl“.“ Kino-Zeit.de


Sa. 30.03.19, 20 Uhr: Das brandneue Testament (im Club Bambule)
Regie: Jaco van Dormael (B/F/Lux 2015) mit Benoît Poelvoorde, Yolande Moreau, Catherine Deneuve (115 Min)Gott ist ein Bürger Belgiens und führt ein ganz normales, ziviles Leben mit Frau und Kind in Brüssel. Und so normal wie sein Leben sind auch seine familiären Probleme: Er hat Zoff mit Tochter Ea . Die Auswirkungen dieses Streits sind dann aber schon nicht mehr ganz so harmlos, denn da Papa Gott ist, führt es zu einem unglaublichen Chaos, als sich Ea in den Computer ihres Vaters hackt. Sie hat nämlich genug vom despotischen Verhalten des Allmächtigen und seinen Launen, die er in Form von Kriegen und Naturkatastrophen immer wieder auf die Menschheit herunterprasseln lässt. Und so durchkreuzt sie die Allmacht ihres Vaters, indem sie seine geheime Datei mit den Todesdaten aller Menschen öffnet und diese ganz persönliche Information jedem Sterblichen per SMS zukommen lässt. Prompt drehen die Menschen durch und Ea sieht ihre Chance gekommen, inmitten dieses Chaos ein brandneues Testament zu etablieren, samt neuen Aposteln und allem. Aber Gott findet sich mit der Revolte seiner Tochter natürlich nicht einfach so ab…


Sa. 06.04.19, 20 Uhr: Milk (in der VHS) Koop mit der Stolperstein-Initiative GP
Regie: Gus Van Sant (USA 2009) mit Sean Penn, Josh Brolin, Emile Hirsch (129 Min)Harvey Milk zieht Anfang der 1970er Jahre mit seinem Freund Scott Smith nach San Francisco und eröffnet dort im Gastro-Viertel einen Fotoshop. Es kommt zu Anfeindungen aus der Umgebung, die Harveys und Scotts Homosexualität zum Grund haben. Als Reaktion auf die homophoben Angriffe geht Milk zunehmend offensiv mit seiner Sexualität um. Sein Laden wird zum Szenelokal, das Viertel zur Hochburg der zaghaft erwachenden Schwulenbewegung und er selbst steuert direkt auf eine politische Karriere zu…
“…Über diesen Qualitäten thront das oscarreife Spiel Sean Penns, der gänzlich in seiner Rolle aufgeht. Sein untrügliches Gespür für anspruchsvolle Stoffe muss der Darsteller und Regisseur längst nicht mehr unter Beweis stellen. Und doch überbietet er sich hier einmal mehr selbst. Sein Harvey Milk strahlt einen Sanftmut aus, der schwer in Worte zu fassen ist. Penn spielt die Figur nicht, er lebt sie.“ filmstarts.de


Do. 11.04.19, 20 Uhr: Rafiki (im Club Bambule) Koop mit der Stolperstein-Initiative GP
Regie: Wanuri Kahiu (Südafrika/F) mit Samantha Mugatsia, Sheila Munyiva, Jimmi Gathu
(82 Min)Kena und Ziki sind gute Freundinnen, die auch aneinander festhalten, obwohl politische Probleme zwischen ihren Familien stehen und die konservative Gesellschaft es ihnen nicht leicht macht. Schon früh wird den Mädchen in Kenia beigebracht, was von den Frauen in ihrem Land erwartet wird: Die Frau hält sich zurück, ist artig und fügt sich dem Willen des Mannes. Im täglichen Leben äußert sich das zum Beispiel so: Kenas Mutter wurde von ihrem Mann für eine jüngere Frau verlassen. Doch nicht er wird dafür verantwortlich gemacht, sondern Kenas Mutter. Kea möchte so ein Leben nicht führen. Sie möchte selbstbestimmt und frei sein. Obwohl ihr Vater und Zikis Vater politische Konkurrenten sind, freunden die beiden sich an, was im Viertel für viel Gesprächsstoff sorgt. Als sie sich ineinander verlieben, müssen sie sich zwischen Glück und Sicherheit entscheiden.
„Rafiki“ basiert auf der Kurzgeschichte „Jambula Tree“ der aus Uganda stammenden Autorin Monica Arac de Nyeko.
„Die Botschafterin des Glücks heisst Wanuri Kahiu. Die 38-jährige Kenianerin hat einen Begriff geprägt, der gerade um die Welt geht: Afro-Bubblegum. Es ist der Name einer von ihr mitbegründeten Firma in Nairobi, für die Filmregisseure, Musiker, Modedesigner und Grafiker arbeiten. Vor allem ist Afro-Bubblegum aber so etwas wie eine Vision für ein anderes Afrika. Ein fröhliches Afrika.
«Afro-Bubblegum soll Afrika auf hoffnungsvolle, vergnügliche Art darstellen», sagte Wanuri Kahiu unlängst im Gespräch am Festival in Cannes, wo sie mit ihrem Spielfilm «Rafiki» eingeladen war (…). «Wir brauchen neue Bilder von ­Afrika. Um dem entgegenzuwirken, was die Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie die ‹single story› nennt.»“ Tagesanzeiger Zürich


Do. 18.04.19, 20 Uhr: Festival der Demokratie (im Club Bambule)
Regie: Lars Kollros (D 2018) Dokumentation (Min)Am 7. und 8. Juli 2017 trafen sich die Führer*innen der EU und die 19 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer der Erde in Hamburg. Innensenator Andy Grote kündigte das G20-Treffen als „Festival der Demokratie“ an. Über 30.000 Polizist*innen waren in der Stadt um das Treffen zu schützen, 100.000 Menschen kamen um dagegen zu demonstrieren.
Lars Kollros und Alexandra Zaitseva haben die Proteste mit Ihren Kameras begleitet. In den letzten Monaten wurden zusätzlich noch einige Interviews gefilmt. Dieser Dokumentarfilm arbeitet die Proteste und die Handlungen der Polizeikritisch auf. Der Film wurde durch Crowdfunding von über 200 Spender*innen finanziert und ermöglicht.
Bei Redaktionsschluß stand noch nicht fest, ob der Regisseur Lars Kollros bei der Vorführung anwesend sein kann. Wir hoffen, dass es klappt.
„Fazit: Bei dem Thema eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber den Film sollte man gesehen haben, ausdrücklich auch wenn man sich nicht als Teil einer linken Szene sieht, denn auch aus einer gemäßigten demokratischen Sichtweise heraus bekommt man hier eine gute und wichtige Dokumentation geboten.“ bierschinken.de


Sa. 27.04.19, 20 Uhr: Mackie Messer – Brechts Dreigroschenoper (im Club Bambule)
Regie: Joachim A. Lang (D 2018) mit Lars Eidinger, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung
(130 Min)„Und der Haifisch, der hat Zähne. Und die trägt er im Gesicht.“ Jeder kennt das Lied über Mackie Messer, das die berühmte „Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht und Kurt Weill einläutet. Das Stück, das 1928 in Berlin uraufgeführt wurde, gehört zu den größten Theatererfolgen der Weimarer Zeit und verhalf Brecht und Weill zu Ruhm und Anerkennung. Schon bald interessiert sich eine große Produktionsfirma für die Filmrechte. Natürlich will der Produzent die Oberhand behalten, wenn es darum geht, wie das Stück verfilmt werden soll. Doch genau das will Brecht auch. Denn schließlich sind es seine Worte, die das Stück erst erschaffen haben. Dem Produzenten erzählt er von seinen Plänen. Und lässt sie vor den Augen aller Betrachter lebendig werden. Bertolt Brecht gilt als Schöpfer des epischen Theaters. Und als brillanter, wenn auch streitbarer Geist. Sein großer Traum, die Dreigroschenoper auf die Leinwand zu bannen, sollte sich in einen großen Rechtsstreit verwandeln. Regisseur Joachim Lang vereint für MACKIE MESSER – BRECHTS DREIGROSCHENFILM mehrere Ebenen und verbindet sie zu einem außergewöhnlichen filmischen Erlebnis. Denn so wie im epischen Theater spielt auch Langs Film mit Regeln und Konventionen der Rezeption. Da verwandelt sich eine Spielszene aus der Dreigroschenoper in eine lebendige Diskussion der Schauspieler über ihre Rollen. Oder Brecht selbst durchbricht die vierte Wand und spricht mit dem Zuschauer über seine Gedanken und Vorhaben. Das alles untermalt und gerahmt von den hervorragend dargebrachten und federleicht in Szene gesetzten musikalischen Stücken der Oper selbst. Lang inszeniert mit Esprit und Lust, welche sich auch in der großen Spielfreude des glanzvollen Ensembles wiederspiegelt. Claudia Michelsen, Joachim Krol, Hannah Herzsprung und Tobias Moretti spielen ihre Parts mit Verve und beeindruckendem stimmlichen Einsatz. Und Robert Stadlober als Kurt Weill und Peri Baumeister als Elisabeth Hauptmann überzeugen als flankierende Pfeiler des Meisters Bertolt Brecht, den Lars Eidinger mit einer so berückenden Mischung aus Süffisanz und Eloquenz darstellt, dass man sich der Faszination seines Charakters nicht entziehen kann. Das Tempo der Inszenierung ist schwindelerregend, die visuellen Effekte enorm. Die Kamera schwebt durch die Kulissen, das Licht erweckt Theatergefühle. Und durch geschickte dramaturgische Wendungen gelingt Lang die Verbindung des literaturhistorischen Stoffes mit aktuellen gesellschaftlichen Konflikten. MACKIE MESSER – BRECHTS DREIGROSCHENFILM ist mehr als eine Verfilmung der Dreigroschenoper. Mehr als ein Blick hinter die Kulissen der historischen Ereignisse von damals. Es ist ein Film, der Brechts Theaterkunst huldigt, indem er sie meisterhaft auf die filmische Ebene überträgt. Ein wahrhaft Brecht’scher Film.