Letzte Tage in Havanna

Sa. 15.09.18, 20 Uhr: Letzte Tage in Havanna (in der VHS)

Regie: Fernando Perez (Cuba 2018) mit Jorge Martínez, Patricio Wood, Gabriela Ramos, Jesús Pérez (93 Min)

Sie sind Freunde, seit vielen, vielen Jahren schon, wohnen auch zusammen in einer kleinen, heruntergekommenen Wohnung in Havanna. Aber die gemeinsamen Tage sind gezählt für Miguel und Diego. Miguel träumt schon lange davon, endlich Kuba zu verlassen und in die USA auszuwandern. Diego hingegen kann kaum mehr sein Bett verlassen, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis er seiner AIDS-Erkrankung erliegt. Die Zeit, die ihm noch bleibt, will der offen homosexuell lebende Diego aber noch bis zum Letzten auskosten. Auch deshalb geraten er und Miguel, der sämtliche Lebensfreude verloren und sich von den Menschen zurückgezogen hat, immer wieder aneinander.

Wenn zwei grundverschiedene Menschen in Filmen zusammenkommen, dann geschieht das meist zum Zweck der Komik – je größer der Kontrast ist, umso stärker darf und soll gelacht werden. Letzte Tage in Havanna beweist aber, dass es auch anders geht. An Unterschieden zwischen Miguel und Diego mangelt es nicht. Gesund vs. krank, ausgebrannt vs. lebenslustig, hetero vs. schwul. Scherze gibt es auch, Diego ist sich bis zuletzt für keinen Spruch zu schade. Und doch, so richtig zum Lachen ist einem hier nicht zumute.

„Kuba hat viel zu lange gewartet damit, Dinge zu ändern, die unbedingt und schon lange hätten geändert werden müssen. Hätten wir dies getan, wären wir nun nicht an diesem Tiefpunkt“, sagt der Kubaner Pérez im Interview mit dem Trigon-Magazin. Dabei ist der 73-jährige Regisseur, der mit „Das Leben ein Pfeifen“ (1998) bekannt wurde, des Dissendententums unverdächtig und erklärter Anhänger der Revolution. Doch selbst für ihn scheinen die Zustände mittlerweile kaum noch auszuhalten zu sein. 

„Ein meisterliches Kammerspiel, das zum Schicksalsdrama eines ganzen Landes wird: Ist Kuba tot, oder gibt es Hoffnung?“ cinema