Programm

 

Do. 19.01.17, 20 Uhr: im Club Bambule (!): Die lange Jim Jarmusch Nacht – Coffee and Cigarettes and more…

Mal sehen, was es an diesem Abend alles zu sehen geben wird. Jedenfalls alles um den wichtigsten Indipendent-Regisseur Jim Jarmusch. „Ich würde lieber einen Film über jemanden machen, der seinen Hund ausführt, als über den Kaiser von China“ hat Jarmusch einmal gesagt. Dabei sind seine Filme alles andere als alltäglich. Sein unverkennbarer, lakonischer Stil und seine Vorliebe für skurrile Typen lassen sich ebenso wenig leugnen wie sein Faible für Schwarzweißbilder. Mit Sicherheit zeigen wir

Coffee and Cigarettes – Roberto Benigni trinkt eine Tasse Kaffee nach der anderen, Tom Waits raucht eine Zigarette nach der anderen, weil er so stolz ist, endlich mit dem Rauchen aufgehört zu haben; Bill Murray trinkt den Kaffee direkt aus der Kanne. Die beiden Genussmittel Kaffee und Zigaretten bilden den Aufhänger für elf lässige Episoden, die Regisseur Jim Jarmush zu einem Film zusammen geknüpft hat. Darin lässt Jarmush unter anderem einen Kellner (Steve Buscemi) über den angeblich existierenden bösen Zwillingsbruder von Elvis Presley berichten, treibt Joe Rigano und Vinny Vella in eine Diskussion darüber, ob Kaffee oder Zigaretten ungesünder sind, und präsentiert Cate Blanchett in einer Doppelrolle als sie selbst und ihre Cousine Shelly, die auf Cates Karriere neidisch ist. Natürlich hat Jarmush auch seinen bereits 1993 entstandenen Kurzfilm mit Iggy Pop und Tom Waits integriert, die unter anderem über den Nutzen reden, das Rauchen aufzugeben, und die Qualität des Lokals bewerten, in dem sie sich befinden.

Jim Jarmusch: “Lachen ist gut für die Seele. Oscar Wilde hat gesagt: “Das Leben ist viel zu wichtig, um ernst genommen zu werden.” Ich liebe dieses Zitat und denke auch so über die Arbeit.”

 


Sa. 28.01.17, 19 Uhr: Sprechen Sie Spanisch?: Truman – Freunde fürs Leben  (Spanische Originalfassung mit dt. Untertiteln) Koop mit der VHS

 

Regie: Cesc Gay (Spanien 2016) mit Ricardo Darín, Javier Cámara, Dolores Fonzi (108 Min.)

In ihrer Kindheit waren die Freunde Julián und Tomás einst unzertrennlich. Irgendwann haben sich die beiden dann allerdings weitestgehend aus den Augen verloren. Während der geschiedene Julián in Spanien geblieben ist und dort die Hochs und Tiefs einer Schauspielkarriere durchlebt hat, ist der Lehrer Tomás nach Kanada ausgewandert, wo er sich eine beschauliche Existenz mitsamt Job, Frau und Kindern aufgebaut hat. Als sich die beiden Männer eines Tages jedoch in Madrid wiedersehen, lebt ihre Freundschaft sofort wieder auf, so als wäre sie nie eingeschlafen. Gemeinsam verbringen die Zwei in der Stadt ein paar wundervolle Tage voller nostalgischer Erinnerungen und unvergesslicher Erlebnisse – immer in dem Wissen, dass dies wohl ihr letztes Wiedersehen sein wird, da Julián Krebs im Endstadium hat.

“Fazit: Wohin mit dem Hund? Das ist nur eine der Fragen, die es zu lösen gilt, wenn man sterben muss. Der berührende spanische Film „Freunde fürs Leben“ zeigt auf rührend undramatische und fast heitere Weise, dass sich alles schon irgendwie ordnen wird – wenn man nur wirkliche Freunde hat.” (filmstarts de)

 

“A Perfect Day” wird im März nachgeholt.


So. 29.01.17, 19 Uhr: Sprechen Sie Italienisch! Habemus Papam (Italienische Originalfassung mit dt. Untertiteln) Koop mit der VHS

Regie: Nanni Moretti (F/I 2011) mit Michel Piccoli, Nanni Moretti, Jerzy Stuhr (102 Min)

Auf dem Petersplatz in Rom herrscht Trauer. Tausende Gläubige nehmen Abschied vom verstorbenen Papst. Im Konklave in der Sixtinische Kapelle wird bald nach einem würdigen Nachfolger gesucht. Weißer Rauch steigt auf und Außenseiter Kardinal Melville ist zum neuen Papst gewählt. Als er erstmals auf den Balkon heraustreten soll, hindert ihn eine Panikattacke daran. Im Vatikan herrscht Aufregung, Psychologe Brezzi wird zu Hilfe gerufen. Melville entzieht sich jedoch dessen Ratschlägen und ergreift bei erster Gelegenheit die Flucht. In Nanni Morettis Sensationserfolg “Habemus Papam – Ein Papst büxt aus” gibt Michel Piccoli Kardinal Melville, der als frisch gewählter Papst plötzlich Angst vor der Verantwortung hat, noch vor dem ersten Auftritt am Petersplatz sein Amt nicht mehr will und damit den Vatikan in eine tiefe Krise stürzt. Während die Würdenträger ahnungslos bleiben und nur wenige vom Chaos wissen, schnuppert der Pontifex in spe ins “richtige” Leben und findet es dort viel unterhaltsamer, als brav den Segen “urbi et orbi” zu erteilen.

Michel Piccoli brilliert als frisch gewählter Papst, der sich der Bürde des verantwortungsvollen Amtes nicht gewachsen fühlt und Reißaus nimmt. Regisseur Nanni Moretti wirft auf die Vorgänge im Vatikan einen ironischen Blick und wechselt dabei meisterhaft zwischen Ernst und Komik.

 


Do. 02.02.17, 20 Uhr: im Club Bambule (!): Der Kuaför aus der Keupstrasse

Regie: Andreas Maus (D 2016) Dokumentation (97 Min)

Im Mittelpunkt der Dokumentation steht der von der rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund im Jahr 2004 verübte Nagelbombenanschlag in der als Zentrum türkischen Geschäftslebens geltenden Kölner Keupstraße, bei dem mehrere Menschen schwere Verletzungen davon getragen haben und ein Friseursalon komplett verwüstet wurde. Regisseur Andreas Maus möchte mit seinem Film unter anderem die Hintergründe und Auswirkungen des damaligen Vorfalls beleuchten und aufzeigen, wie die türkischstämmige Bevölkerung der Stadt auch Jahre danach noch immer unter den Folgen zu leiden hat. Dabei verdeutlicht Maus unter Rückgriff auf die Polizei-Verhörprotokolle, dass für die Ermittler lange Zeit die Opfer selbst und ihre Angehörigen im Zentrum der Verdächtigungen standen, bevor überhaupt ein fremdenfeindliches Motiv für die Tat in Erwägung gezogen wurde.

 


Sa. 11.02.17, 20 Uhr: Much Loved

Regie: Nabil Ayouch (Marokko, F 2016) mit Loubna Abidar, Asmaa Lazrak, Halima Karaouane (104 Min)

Marrakesch, Marokko: Wenn es Nacht ist, müssen Noha, Soukaina und Randa arbeiten – die jungen Frauen sind Prostituierte. Said fährt sie zu Partys und in Hotels, sein Job liegt irgendwo zwischen Bodyguard und Zuhälter. In jedem Fall ist es der leichtere Job, denn die drei Frauen werden von ihren Freiern erniedrigt und es spielt dabei keine Rolle, ob die aus Saudi-Arabien oder Europa kommen. Noha, Soukaina und Randa ertragen Gewalt, täuschen Lust vor. Sie versuchen, einen Schutzschild aufrecht- und die ganze Zeit zusammenzuhalten. Sie schaffen sich aber auch kleine Freiräume, bewahren sich Träume – und eine große Klappe. Gemeinsam bequatschen sie die frivolsten Themen in frivolster Sprache, ob es nun um ihre Körper geht oder ihren Beruf…In Cannes wurde der Film gefeiert, in Marokko verboten.

 


Do. 16.02.17, 20 Uhr: Kino in der Buchhandlung Herwig: Lou Andre Salome

Regie: Cordula Kablitz-Post (D 2016) mit Katharina Lorenz, Nicole Heesters, Liv Lisa Fries (113 Min)

1861 in St. Petersburg geboren, wuchs Lou wohl situiert und gebildet auf. Doch schon bald musste sie feststellen, dass sie als Frau von der Dominanz der Männer beherrscht wird und entschließt sich, nicht den üblichen Weg als Ehefrau und Mutter einzuschlagen. Stattdessen wollte sie bereits in jungen Jahren als ebenbürtig und gleichgestellt akzeptiert werden und entsagte sich den Männern. Sie stürzte sich in ihre Bildung, schrieb Gedichte, befasste sich mit Philosophie und sprach drei Sprachen fließend. Auf ihren intellektuellen Reisen machte sie Bekanntschaft mit Friedrich Nietzsche und Paul Rée. Beide Männer waren so fasziniert von Lou, dass sie ihr jeweils einen Heiratsantrag machten, welche sie jedoch abwies. Erst als sie den jungen Rainer Maria Rilke begegnet, der sie mit seinen Gedichten umwarb, verliebte sie in den noch unbekannten Dichter. In den folgenden Jahren folgten weitere Affären mit ganz unterschiedlichen Männern. Einer davon war Sigmund Freud, der sie mit seinen Theorien über Tiefenpsychologie fasziniert. Nicht nur beschäftigt sich Lou in dieser Phase intensiv mit den Ansichten des Arztes, sondern bereichert diese mit ihren eigenen Ideen. Ihren Lebensabend verbringt Lou in Göttingen. Hier lässt sie im Schatten des aufkommenden Nationalsozialismus gemeinsamen mit dem jungen Ernst Pfeiffer ihr Leben Revue passieren. Von ihren Errungenschaften in der Philosophie und Literatur bis hin zur ihrer späten Entdeckung der Liebe. Das bewegte Leben der Lou Andreas-Salomé, die für viele bedeutende Denker ihrer Zeit sowohl Inspiration, Muse und ebenbürtige Intellektuelle galt, wurde bislang nicht verfilmt.

“Wunderbar entwirrt das Spielfilmdebüt von Kablitz-Post das Beziehungsknäuel rund um die Rebellin. Überzeugend die schauspielerischen Leistungen der “Lou” als Kind (gespielt von Liv-Lisa Fries), als Nonne, Hure, Lebenskünstlerin (Katharina Lorenz), als alternde und einsame Diva (Nicole Heesters)”.(Spiegel online)

 


Sa. 25.02.17, 20 Uhr: Hedis Hochzeit

Regie: Mohamed Ben Attia (Tunesien/Belgien/ F) mit Majd Mastoura, Rym Ben Messaoud, Sabah Bouzouita (93 Min)

Der Tunesier Hedi ist 25, Sales-Manager für Peugeot und unglücklich. Ständig bestimmen andere für ihn: Seine Mutter Baya weist ihm noch Taschengeld zu und suchte eine Frau für ihn aus, Khedija, die er bald heiraten muss. Und sein Chef schickt ihn auf eine Geschäftsreise, obwohl kurz darauf die Hochzeit ansteht. Doch es zeichnet sich Veränderung ab: Hedis enges Leben scheint freier zu werden, als er Rim kennenlernt. Die junge Frau ist Animateurin in einem Strandhotel. Mit ihr fühlt Hedi, wie das Leben pulsieren kann und wie viel Hoffnung es gibt, wenn man liebt. Die aufgeschlossene Rim weiß genau, was sie will: einen Neuanfang im Ausland zum Beispiel. Wird Hedi die Kraft haben, mitzugehen – oder wird er sich den Traditionen fügen, die seine Familie verlangt?

“Die Bezüge und Parallelen von Hedis Situation zur politischen und gesellschaftlichen Lage in Tunesien allgemein sind alle ganz klar und deutlich zu erkennen – ohne dass der Regisseur jemals der Versuchung erliegt, sie seinem Publikum unter die Nase zu reiben. Und dieses Maßhalten macht „Hedi“ – als Liebesfilm genauso wie als Gesellschaftsbeschreibung – letztlich noch viel kraftvoller. 
Fazit: Mohamed Ben Attias „Hedis Hochzeit“ ist feinfühliges Liebes- und Gesellschaftsdrama aus dem heutigen Tunesien – und ein sehr vielversprechender Auftakt für den Wettbewerb der Berlinale 2016.” (filmstarts)

 


Vorschau:

02.03.17: Louise hired a contract killer