Programm

Sa. 24.09.16, 20 Uhr: Das Geheimnis der falschen Braut

Regie: François Truffaut (F ) mit Jean-Paul BelmondoCatherine DeneuveMichel Bouquet (123 Min)

Der reiche Tabak-Pflanzer Louis Mahe hat im Tropenparadies der Insel Réunion alles, was das Herz begehrt – bis auf eine Frau. Über eine Heiratsanzeige lernt er die Französin Julie Rouselle kennen. Er verliebt sich Hals über Kopf in die strahlende Schönheit, ahnt aber nicht, dass sie ein dunkles Geheimnis birgt. Kurz nach dem Ja-Wort verschwindet Julie spurlos. Louis setzt alle Hebel in Bewegung, um sie wieder zu finden und gerät in einen Strudel von Begierde und Leidenschaft – bis hin zum Mord.

“Ein hervorragend gespieltes, mit doppelbödiger Ironie inszeniertes Drama, das nie als „Wirklichkeit“ verstanden werden will, vielmehr als Spiel mit Chiffren und Zeichen.” (filmdienst)


Sa. 01.10.16, 20 Uhr: Juha

Regie: Aki Kaurismäki (Finn 1999) mit Sakari Kuosmanen, Kati Outinen, André Wilms, Markku Peltola (78 Min) Stummfilm

Juha und Marja lieben sich. Ihr Leben spielt sich in der ländlichen Idylle Finnlands ab. Glücklich verkaufen sie ihren Kohl auf dem Wochenmarkt und füttern die Schafe. Als Shemeikka auftaucht, der mit seinem Sportwagen vor dem Bauernhof der beiden eine Panne hat, lässt Marja sich von seinen Schmeicheleien einwickeln und geht mit ihm. Zu spät erkennt sie, dass Shemeikka sie getäuscht hat und findet sich in einem Bordell wieder. Juha schleift seine Axt und bereitet ein blutiges Ende vor. JUHA ist eine der zahlreichen Adaption des gleichnamigen Klassikers von Juhani Aho aus dem Jahr 1911.

Mit der für Kaurismäki charakteristischen Schlichtheit zeigt JUHA, was man alles nicht braucht, um großes Kino zu machen.Durch dramatische Gestik und Mimik und viel finnischem Tango erhalten die Figuren in diesem in Schwarz-Weiß gedrehten Stummfilm Tiefe.

“Mit volltrunkenem Schädel und gläsernen Augen stiert der Regisseur ins Leere. Soeben hat Aki Kaurismäki bei der Berlinale sein jüngstes Werk präsentiert. Begeistert vom Film und dem Mut, heutzutage einen schwarzweißen Stummfilm zu drehen, bedrängen ihn Hunderte von Journalisten. Aber der Finne sitzt nur stumm da und schwitzt den Alkohol heraus. Genießt er die Aufmerksamkeit? Oder träumt er mit offenen Augen von einem Paradies, wo Freibier in Strömen fließt und er sich nicht mit Produzenten rumschlagen muß? Dann, endlich, nach einer kleinen Ewigkeit, murmelt er: “Es wird sowieso immer zuviel geredet.” Um anschließend, wie als Beweis, in die innere Emigration zurückzukehren.” (Andreas Kern)


Mi. 05.10.16, 20 Uhr: Kino in der Buchhandlung Herwig: Menschen

im Rahmen der Interkulturellen Wochen in Zusammenarbeit mit amnesty international

Regie: Grégory Darcy   (D 2015)   (75 Min) Originalversion mit deutschen Untertiteln

Der Regisseur ist anwesend

Am Anfang des Projekts standen Interviews mit 10 Asylbewerbern aus Kernen, Waiblingen und Esslingen. Diese Menschen, die aus Kamerun, Algerien, Gambia, Pakistan, Iran und Syrien nach Deutschland kamen, brachten den Mut auf, sehr persönliche Fragen vor der Kamera zu beantworten. Wie finden sie sich in Deutschland zurecht, wie fühlen sie sich? Was hat sie zur Reise hierher veranlasst und was haben sie dabei erlebt? Was sind ihre Träume und Wünsche an die Gesellschaft, in der sie nun leben? Sie berichten spannend, sehr berührend und manchmal mit Humor über ihr früheres und neues Leben.

Flüchtlingen eine Stimme geben, das hat der französische Filmemacher Gregory Darcy mit einem außergewöhnlichen Filmprojekt versucht. Über Monate arbeitete er in der kleinen Remstal-Gemeinde Kernen mit Flüchtlingen aus aller Welt. Herausgekommen ist ein beeindruckender Film über den einzelnen Menschen hinter dem Wort “Flüchtling”…


Sa. 15.10.16, 20 Uhr: Parlez vous Francais? Le goût des merveilles/Birnenkuchen mit Lavendel (in Koop mit der VHS)

Regie: Eric Besnard (F 2016) mit Virginie EfiraBenjamin LavernheLucie Fagedet (97 Min) franz. Originalfassung mit dt. Untertiteln!

Seit dem Tod ihres Mannes kümmert sich Louise allein um ihre beiden Kinder Emma und Felix bewirtschaftet außerdem noch den familiären Birnen- und Lavendelhof in der Provence. Sie kümmert sich um die Ernte und backt exzellenten Birnenkuchen, hat aber trotzdem Probleme, ihren Kredit bei der Bank zu bedienen. Die wirtschaftliche Zukunft ist düster, als Louise eine folgenreiche Begegnung hat: Aus Versehen fährt sie vor ihrem Haus einen Fremden an: Pierre. Er ist ordentlich, extrem ehrlich, sensibel und lebte bisher zurückgezogen und eigenbrötlerisch. Doch er geht aus sich heraus, wann immer er Zeit mit Louise verbringt – und das tut er fortan öfter, da er sehr gut mit Zahlen umgehen und der Witwe darum mit ihrem Betrieb helfen kann. Pierre freut, dass er so etwas wie ein Zuhause gefunden hat. Louise jedoch will ihn nicht zu nahe an sich heranlassen, sie leidet nach wie vor unter dem Verlust ihres Ehemanns…

” Eric Besnards Feel-Good-Komödie „Birnenkuchen mit Lavendel“ punktet mit sympathischen Hauptfiguren…” (filmstarts.de)


So. 16.10.16, 20 Uhr: Do you speak English? The Lady in the Van (in Koop mit der VHS)

Regie: Nicholas Hytner (GB 2016) mit Maggie Smith, Alex Jennings, Jim Broadbent (104 Min) engl. Originalfassung mit dt. Untertiteln!

In den 1970ern trägt sich in Camden Town eine außergewöhnliche Geschichte zu: Im Londoner Stadtteil, überwiegend bewohnt von reichgewordenen Alt-Linken, möchte eine exzentrische, obdachlose alte Dame namens Miss Shepherd ihren kaputten Van in der Auffahrt von Theaterautor Alan Bennetts Anwesen abstellen – nachdem ihr von der Stadt verboten wurde, weiterhin auf Straßen zu parken. Bennett sagt zu, doch aus dem „kurzen“ Parken des Wagens werden 15 lange Jahre, in denen Miss Shepherd in ihrem Van vor Bennetts Haus lebt. Die unverhoffte Nachbarschaft bringt einige Probleme mit sich, denn Miss Shepherd ist undankbar, hat einen unangenehmen Körpergeruch und verteilt gerne ihren Müll auf der Straße. Aber Mister Bennett bringt es nicht übers Herz, die Dame abzuschieben…

Ja, Maggie Smith ist als Lady In The Van ein Ereignis! Wenn die zweifache Oscarpreisträgerin anfängt rumzugranteln, als ob es kein Morgen mehr gäbe, dann ist das trockener britischer Humor, wie wir ihn lieben (dass niemand mehr Verächtlichkeit und Geringschätzung in einen einzigen Blick legen kann als die inzwischen 81-jährige Smith, wissen wir ja spätestens seit ihren Rollen als Professor McGonagall in „Harry Potter“ und als Gräfin Violet Crawley in „Downton Abbey“).” (filmstarts.de)


Sa. 22.10.16, 20 Uhr: High-Rise

Regie: Ben Wheatley (GB 2016) mit Tom HiddlestonJeremy IronsSienna Miller (119 Min) nach einer Geschichte von J.G. Ballard

Nach seiner Scheidung zieht der dreißigjährige Dr. Robert Laing in ein ungewöhnliches Hochhaus. In den einzelnen Etagen werden die Bewohner nach niederer Klasse, Mittelklasse und Oberschicht unterteilt. In den oberen Stockwerken haust die Upperclass, während sich Familien mit den unteren Geschossen zufrieden geben müssen. Laings Appartement befindet sich im mittleren Bereich. Bald macht er nicht nur die Bekanntschaft des Fernsehjournalisten Richard Wilder, der im zweiten Stock wohnt, sondern auch die des Architekten und Schöpfer des Hochhauses, Anthony Royal, der erhaben über allen ganz oben residiert. Je länger Laing in dem Appartement haust, desto deutlicher spitzen sich die Konflikte zu, die unter der Oberfläche rumoren. Bei einem Stromausfall schlagen die Auseinandersetzungen dann in offene Gewalt um und es entsteht Anarchie. Laing steht plötzlich vor einer folgenschweren Entscheidung. Denn als Wilder Royal stürzen will, muss er Farbe bekennen…

“Surreal, ist das Wort, das die Atmosphäre des Films wohl am ehesten beschreibt. Durchgängige Erzählstränge, klare Motive oder Handlungen – für Regisseur Wheatley und wohl auch für Autor Ballard eigentlich nicht wirklich nötig. Warum erklären, wenn man zeigen kann: So ist „High Rise“ ein Film der Momentaufnahmen, der einzelnen starken Szenen. Die Arbeit, diese kohärent zusammen zu montieren, diese sinnvoll zu deuten, muss der Zuschauer schon selber leisten – was nicht immer möglich und wohl auch gar nicht beabsichtigt ist. „High Rise“ ist Sehen, ist Deuten, ist Atmosphäre Spüren. Wer an konservativen Erzählstrukturen und Mainstream-Dramaturgie hängt, hat hier wenig Spaß. Doch wer sich auf das Experiment einlässt, wird mit einem optisch wilden Filmritt belohnt, der zwar keine Antworten liefert – aber dafür Fragen stellt, auf denen man selbst noch lange und lohnend herumkauen kann.” (kino.de)

Wir warnen: der Film hat gewalttätige Stellen


Sa. 29.10.16, 20 Uhr: Janssen: Ego

Regie: Peter Voss-Andreae (D 1989) Doku über den Zeichner & Maler Horst Janssen (118 Min)

Ein in achtjähriger Beobachtung entstandenes dokumentarisches Porträt des berühmten Hamburger Zeichners und Grafikers Horst Janssen. In Form einer kunstvollen Psycho-Montage gewährt es nicht nur Einblicke in den bizarren Lebenskosmos” des Künstlers. Zugleich wird im existentiellen Bild Janssens allgemeingültig das Abgründige eines “vielgesichtigen Menschentums” reflektiert und unbeabsichtigt auch die Gefahr für den in aller Ungebundenheit nur auf sich konzentrierten “monologischen Menschen” verdeutlicht.”

“Der Film ist 100 Minuten lang. Es könnten aber auch 200, 500, oder 1500 Minuten sein, und man würde nicht müde werden zuzusehen. Janssen: EGO heißt das Filmportrait .. Durch und durch egozentrisch ist diese Dokumentation und die Welt, die sie schildert .. Seine Ein-Mann-Show entschädigt in jeder Sekunde für eine gewisse Biederkeit in der Aufbereitung des Materials. Szenen aus dem Alltag des Künstlers werden verzahnt mit einer Lesung aus Janssens Manuskripten, die wiederum mit Inserts von den Bildern unterlegt sind. Aber von der alles verschlingenden Präsenz dieses Monsters verblassen alle Einwände. Man hört und sieht ihm einfach gern zu, wie er trunken, selbstvergessen und widerstrebend sein Selbstportrait entwirft. Wie eine von ihm selbst gezeichnete Figur wirkt er da, zusammengesetzt aus aus dieser minutiösen Großzügigkeit, die seinem widerborstigen Strich eine Richtung verleiht. Und die genauso keinen Zweifel daran lässt, dass es Zweifel, Schmerz, und Qual sind, die die Linien immer vom Weg abbringen, ehe sie sich zum Bild fügen” M. Althen, (SZ 21.2.90)

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